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Corona-Sonderregeln, E-Patientenakte, Pflegereform: Das ändert sich 2022 im Gesundheitsbereich

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran: Die elektronische Patientenakte bekommt mehr Funktionen, der „gelbe Schein“ wird weiter digitalisiert. Ab Januar tritt zudem die Pflegereform in Kraft und es könnte sein, dass Cannabis bald legal verkauft werden darf. Ein Überblick, was sich 2022 für Sie im Gesundheitsbereich ändert.
Corona-Sonderregeln verlängert

Noch immer hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Daher hat das Bundesministerium für Gesundheit die pandemiebedingte Sonderregelung verlängert:

  • Das Kinderkrankengeld kann auch 2022 je versichertem Kind grundsätzlich für 30 statt 10 Tage in Anspruch genommen werden. Alleinerziehenden haben Anspruch auf 60 statt 20 Tage.
  • Die Regelungen zur finanziellen Entlastung von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen gelten bis zum 31. März. Die Zahlung des Pflegeunterstützungsgeldes wird wegen der Pandemie von zehn auf 20 Arbeitstage verlängert. Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich auch für Hilfen außerhalb der geltenden Regelung einsetzen, um so Corona-bedingte Versorgungsengpässe auszugleichen. Und eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, um die Pflegebedürftigkeit festzustellen, kann ohne Untersuchungen des Versicherten in seinem Wohnbereich erfolgen. Die Einstufung erfolgt dann nach Aktenlage und einer telefonischen Befragung.
  • Auch die geltenden Sonderregeln in der ambulanten ärztlichen Versorgung werden im Zuge der vierten Infektionswelle bis zum 31. März verlängert. Dazu zählen eine telefonische Krankschreibung bis zu sieben Kalendertagen bei Erkältungssymptomen oder das vermehrte Angebot an Video-Sprechstunden.
  • Krankenhausärztinnen und -ärzte können eine Arbeitsunfähigkeit für eine Dauer von bis 14 Kalendertagen nach Entlassung aus dem Krankenhaus bescheinigen. Die Regelung tritt am 31. Mai außer Kraft.

Mehr Informationen: www.g-ba.de/service/sonderregelungen-corona/
Online zum Arzt

Welche Ärzte Videosprechstunden anbieten dürfen, wie Patientinnen und Patienten davon profitieren und wie der digitale Arztbesuch abläuft, erfahren Sie hier: www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/wie-funktioniert-die-videosprechstunde
Corona-Impfpflicht für besondere Berufsgruppen ab März

Die neue Bundesregierung hat kurz nach ihrem Amtsantritt ein neues Impfpräventionsgesetz beschlossen. Das Gesetz sieht erstmals auch eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen vor: für das Personal von Arztpraxen, Kliniken, Rettungsdiensten, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen betreut werden sowie sozialpädagogische Zentren. Die Impfpflicht soll ab dem 15. März gelten. Konkret heißt das: Personen, die z. B. in Arztpraxen und Zahnarztpraxen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen tätig sind, müssen bis zum 15. März 2022 entweder geimpft oder genesen (im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung) sein. Ausgenommen sind Personen, die auf Grund medizinischer Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft werden können.
Sozialversicherungsbeiträge bleiben stabil

Damit die Sozialversicherungsbeiträge nicht steigen, hat der Bund eine zusätzliche Milliardenhilfe beschlossen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen bekommen, umgesetzt über einen Zuschuss an den Gesundheitsfonds, 2022 einen ergänzenden Zuschuss von 14 Milliarden Euro. So sollen die Zusatzbeiträge der Versicherten bei durchschnittlich 1,3 Prozent bleiben. Insgesamt erhält die gesetzliche Krankenversicherung damit im kommenden Jahr 28,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln.
Beitragsbemessungsgrenze bleibt ebenfalls stabil

Die Beitragsbemessungsgrenze bleibt auf dem Niveau von 2021. Sie ist die maßgebende Rechengröße für die Sozialversicherung und wird entsprechend der Entwicklung der Löhne und Gehälter jährlich angepasst. Dadurch ändern sich die Einkommensgrenzen, von denen oder bis zu denen Beiträge zu zahlen sind. In den letzten Jahren wurde diese meist erhöht. Das ist diesmal anders. Ab dem 1. Januar 2022 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unverändert 58.050 Euro im Jahr. Die Versicherungspflichtgrenze in der GKV liegt unverändert bei 64.350 Euro brutto im Jahr. Wer mehr als diesen Betrag verdient, kann sich privat krankenversichern lassen.
Der „gelbe Schein“ wird weiter digitalisiert

Die gelben Zettel, die die Ärztin oder der Arzt bei einer Krankschreibung gesetzlich Versicherten ausstellt, sollen allmählich weniger werden. Seit dem 1. Oktober übermitteln Ärzte die Krankmeldungen bereits digital an die gesetzlichen Krankenkassen. Dass auch der Arbeitgeber von der Krankmeldung erfährt, dafür sind bislang noch die Angestellten selbst zuständig. Doch nicht mehr lange: Ab dem 1. Juli 2022 sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Krankmeldungen auch den Arbeitgebern digital zur Verfügung stellen. Damit wird der „gelbe Schein“ Stück für Stück digitalisiert. Er verschwindet aber nicht ganz: Die Ärzte sind verpflichtet, den Patientinnen und Patienten ein Belegexemplar auszustellen.
Elektronische Patientenakte bekommt mehr Funktionen

Arztberichte, Befunde, Röntgenbilder – all dies kann theoretisch bereits seit einem Jahr in der elektronischen Patientenakte (ePA) hinterlegt werden. Ab Januar sollen auch der Impfausweis, das gelbe U-Heft für Kinder, das Zahnbonus-Heft und der Mutterpass in der ePA gespeichert werden können. Versicherte bekommen die Möglichkeit, über ihr Smartphone oder Tablet für jedes in der ePA gespeicherte Dokument einzeln zu bestimmen, wer darauf zugreifen kann. Bei einem Krankenkassenwechsel können Patienten ihre Daten aus der ePA übertragen lassen. Der Gebrauch der elektronischen Patientenakte bleibt freiwillig. Zu Beginn des Jahres 2022 werden auch die ersten privaten Krankenversicherungen die elektronische Patientenakte anbieten. Sie hatten mit dem Start auf die wesentlich umfangreicheren Funktionen und die deutlich präziseren Datenschutz-Regeln gewartet.
Die elektronische Patientenakte (ePA)

Wie man als Patient an eine solche Akte kommt, welche Vorteile sie bringen kann und wie man die Kontrolle über seine Daten behält, erfahren Sie hier: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/e-health-trends/die-elektronische-patientenakte-epa-wie-sie-funktioniert-und-was-sie
Pflegereform tritt in Kraft

Die große Koalition hat sich vor der Bundestagswahl auf eine Pflegereform geeinigt. Demnach wird die Pflegeversicherung ab 2022 vom Bund mit einer Milliarde Euro jährlich bezuschusst. Des Weiteren wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte angehoben. Dadurch würde die Pflegeversicherung laut Bundesgesundheitsministerium zusätzlich 400 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Damit Pflegebedürftige von steigenden Kosten nicht überfordert werden, zahlt die Pflegeversicherung bei der Versorgung im Pflegeheim künftig einen Zuschlag. Dieser soll mit der Dauer der Pflege steigen: Im ersten Jahr trägt die Pflegekasse 5 Prozent des Eigenanteils, im zweiten Jahr 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent und danach 70 Prozent.

Außerdem werden in der ambulanten Pflege die Sachleistungsbeträge um 5 Prozent erhöht und der Leistungsbetrag der Pflegeversicherung zur Kurzzeitpflege wird um 10 Prozent angehoben. Ab dem 1. September 2022 sollen zudem nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen werden, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte nach Tarif bezahlen. Ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel soll die Einstellungen zusätzlicher Pflegekräfte erleichtern und so dem Mangel an Pflegekräften entgegenwirken.
Kontrollierter Cannabis-Verkauf?

Die Parteien der Ampel-Koalitionen wollen den Verkauf von Cannabis zu Genusszwecken legalisieren. Darauf hatte sich im November die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege der Koalition geeinigt. Geplant ist eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in lizenzierten Geschäften. So solle die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet werden. Wann die Legalisierung umgesetzt werden soll, steht allerdings noch aus. Unter Medizinern ist die Legalisierung umstritten. Zu den möglichen Risiken gehören Psychosen, Störungen des Bewusstseins und der kognitiven Fä­hig­keiten, klare Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Psychomotorik.
Mehr Aufklärung über Organspende

Mehr als 9000 Menschen warten in Deutschland laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation auf eine Organspende. Die meisten davon brauchen eine Niere. Die Zahl der Menschen, die einen Organspendeausweis besitzen, ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. Dennoch wissen noch immer nicht genügend Menschen über das Thema Organspende Bescheid. Hausärztinnen und Hausärzte kommt deshalb eine aktivere Rolle bei der Aufklärung über die Organspende zu. Ab März 2022 sollen sie ihre Patienten alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende informieren. Das sieht das Gesetz „zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“ vor, dass der Bundestag im Januar 2020 verabschiedet hatte. Ab März soll zudem ein neues Organspenderegister an den Start gehen. Dort soll dann eine Spendererklärungen auch elektronisch abgegeben oder widerrufen werden können.
Fragen und Antworten zur Organspende

Wie erhält man einen Organspendeausweis? Unter welchen Voraussetzungen dürfen Ärzte Organe entnehmen? Und wer entscheidet, wenn der Wille des potenziellen Spenders unbekannt ist? Diese Fragen beantworten wir hier: www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/notfall-erste-hilfe/10-fragen-und-antworten-zur-organspende
Tattoo-Farben verboten

Ab Januar tritt eine neue EU-Verordnung für Tattoo-Farben in Kraft. Mehr als 4000 chemische Stoffe, die für Tattoo-Tinte und Permanent-Make-up verwendet werden, sind dann verboten. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sieht in den Chemikalien ein Gesundheitsrisiko. Sie können Hautallergien und andere schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit wie genetische Mutationen und Krebs verursachen, schreibt die ECHA. Das Verbot ist in der sogenannten Reach-Verordnung festgehalten. "Reach" steht für Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien. Etwa 12 Prozent der Menschen in Europa haben ein Tattoo. Studien darüber, wie groß das Gesundheitsrisiko durch die chemischen Substanzen in den Farben tatsächlich ist, gibt es bisher nicht.
Verschoben: Elektronisches Rezept

Ursprünglich sollte das elektronische Rezept ab Januar 2022 Pflicht werden. Die Einführung wurde Ende Dezember jedoch verschoben. Das teilte das Bundesministerium für Gesundheit in einem Schreiben den anderen Gesellschaftern der gematik GmbH mit. Darin heißt es, dass die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen würden. Die Testphase für das E-Rezept soll daher verlängert werden. Zukünftig sollen Ärzte gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten Rezepte nur noch digital ausstellen. Versicherte, die kein elektronisches Rezept wünschen, können aber auch weiterhin einen Papierausdruck des E-Rezepts erhalten.
Die App „E-Rezept“

  • Die App „E-Rezept“ kann auch in der Testphase kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden (www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de/app).
  • Technische Voraussetzungen ist ein NFC-fähiges Smartphone mit mindestens iOS 14 oder Android 7.
  • Für die Anmeldung in der App ist eine elektronische Gesundheitskarte notwendig und die dazugehörige PIN. Wer keine Gesundheitskarte hat oder den PIN nicht mehr weiß, kann beides bei seiner Krankenkasse anfordern.
  • Mit Hilfe eines QR-Codes kann das Rezept per App oder Ausdruck in der Apotheke eingelöst werden. In der App sind auch Informationen zum Medikament und Hinweise zur Einnahme und Dosierung hinterlegt.

Gesetzliche Krankenversicherung

14 gesetzliche Krankenkassen erhöhen zum Jahreswechsel ihre Beiträge, darunter zahlreiche AOKs. Das ergibt eine Auswertung der Stiftung Warentest, die in einer Online-Datenbank die Beiträge und Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen vergleicht.

Die Erhöhungen liegen zwischen 0,1 und 0,5 Prozentpunkten. Es gibt aber auch 8 Krankenkassen, die ihre Beiträge zum Jahreswechsel senken, und zwar um 0,08 bis 0,4 Prozentpunkte. 51 der insgesamt 73 für alle geöffneten Krankenkassen halten ihre Beiträge stabil.

Der höchste Beitragssatz liegt Anfang 2022 bei 17,1 Prozent, der günstigste bei 14,95 Prozent. Diese Kasse kann aber nur regional gewählt werden. Die günstigste bundesweit verfügbare Kasse nimmt 15,29 Prozent. Der prognostizierte Beitragsdurchschnitt liegt 2022 bei 15,9 Prozent.

Der Wechsel der Krankenkasse ist in der Regel einfach möglich. Nach einem Antrag bei der neuen Kasse übernimmt diese die Kündigung bei der alten. Anschließend muss nur noch der eigene Arbeitgeber informiert werden.

Je nach Einkommen kann ein Wechsel 100 Euro und mehr pro Jahr sparen. Jedoch sollte man nicht allein auf die Beitragssätze achten, rät Testleiterin Sabine Baierl-Johna. „Gute Erfahrung oder auch Zuschüsse zur Zahnreinigung, zur Osteopathiebehandlung oder ein attraktives Bonusprogramm können einen etwas höheren Beitragssatz rechtfertigen.“

Alle Beitragssätze und die Leistungen fast aller Krankenkassen sind unter www.test.de/krankenkassen abrufbar. Hier können Interessierte auch individuell berechnen lassen, wie viel sie durch einen Wechsel sparen würden.

11.01.2022 DGA | Quelle: Stiftung Warentest

Mögliche längerfristige gesundheitliche Auswirkungen von COVID-19 auch bei Kindern und Jugendlichen

Gemeinsame Pressemitteilung von Universitätsklinikum Dresden/Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV), AOK Bayern - Die Gesundheitskasse, AOK PLUS Sachsen und Thüringen, Barmer, DAK-Gesundheit, InGef - Institut für angewandte Gesundheitsforschung Berlin und Techniker Krankenkasse COVID-19-Patienten erhielten mehr als drei Monate nach der akuten Infektion häufiger ärztliche Diagnosen physischer und psychischer Symptome und Erkrankungen als Menschen ohne COVID-19-Diagnose. Das ergeben Analysen von umfangreichen Krankenversicherungsdaten. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche sind demnach potenziell von Post-COVID betroffen: Zu den am stärksten mit COVID-19 assoziierten dokumentierten Symptomen und Erkrankungen zählen bei Kindern und Jugendlichen unter anderem Unwohlsein und rasche Erschöpfung, Husten, Schmerzen im Hals- und Brustbereich sowie Angststörungen und Depression. Erwachsene verzeichneten insbesondere vermehrt ärztliche Diagnosen von Geschmacksstörungen, Fieber, Husten und Atembeschwerden. An der Studie sind mehrere gesetzliche Krankenkassen unter Koordination des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der Dresdner Hochschulmedizin und des Robert Koch-Instituts beteiligt. Die Ergebnisse wurden als Preprint veröffentlicht („Post-COVID in children, adolescents, and adults: results of a matched cohort study including more than 150,000 individuals with COVID-19“, https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.10.21.21265133v1).

„Dies ist international eine der ersten, großen kontrollierten Kohortenstudien zu Post-COVID. Die umfangreiche Datengrundlage unserer Partner und innovative methodische Verfahren erlauben erstmals auch belastbare Aussagen zu längerfristigen Folgen von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Prof. Dr. Jochen Schmitt vom Universitätsklinikum Dresden. Um die Zusammenhänge zwischen COVID-19 und den Erkrankungen zu verstehen, sei weitere Forschung notwendig. „Künftige Analysen sollten einen Fokus auf die Persistenz möglicher Gesundheitsprobleme in der Studienpopulation legen. Zudem ist es wichtig, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf spätere Phasen der Pandemie und damit einhergehende veränderte Versorgungsbedingungen zu untersuchen“, ergänzt Dr. Martin Rößler vom Universitätsklinikum Dresden.

Unter Post-COVID werden längerfristige, mindestens drei Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion fortbestehende oder neu hinzukommende Krankheitssymptome und gesundheitliche Einschränkungen zusammengefasst. Bislang ist jedoch nicht klar, wodurch sich Post-COVID genau auszeichnet und wie viele Menschen davon betroffen sind. Um sich diesen Fragen zu nähern, ist man auf kontrollierte Studien angewiesen, in denen Personen nach gesicherter SARS-CoV-2-Infektion ausreichend lange und im Vergleich zu einer gut definierten Kontrollgruppe auf ihren Gesundheitszustand hin nachbeobachtet werden. Bisherige internationale Studien dieser Art weisen auf längerfristige gesundheitliche Auswirkungen bei Erwachsenen hin – die Analyse von ZEGV, RKI und Krankenkassen liefert nun erstmals auch Erkenntnisse zu Post-COVID bei jüngeren Altersgruppen auf Grundlage deutscher Krankenkassendaten. Datenbasis der Studie sind Abrechnungsdaten der Jahre 2019 und 2020 von ca. 38 Millionen gesetzlich Versicherten der AOK Bayern, der AOK PLUS Sachsen und Thüringen, der Barmer, der DAK-Gesundheit, der Techniker Krankenkasse sowie der InGef Forschungsdatenbank, über die ein wesentlicher Teil der Daten von Betriebskrankenkassen einbezogen wurde. In die Analyse gingen Daten von mehr als 150.000 Personen mit labormedizinisch nachgewiesener COVID-19-Erkrankung im ersten Halbjahr 2020 ein, darunter fast 12.000 Kinder und Jugendliche. Für jede infizierte Person wurden fünf nichtinfizierte Versicherte in die Studie eingeschlossen, die hinsichtlich Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Nachbeobachtungszeit vergleichbar waren. Infizierte und nicht-Infizierte wurden hinsichtlich 96 vorab festgelegter Symptome und Erkrankungen verglichen, die drei Monate nach Infektions- bzw. Einschlussdatum neu dokumentiert wurden.

Die Analysen zeigen, dass bei Erwachsenen, aber auch bei Kindern und Jugendlichen mehr als drei Monate nach COVID-19-Diagnose häufiger neue Symptome und Erkrankungen diagnostiziert wurden als bei vergleichbaren Personen ohne COVID-19-Diagnose. Die neu dokumentierten Diagnosen betreffen sowohl physische als auch psychische Erkrankungen sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Organsysteme und Symptomkomplexe. In Bezug auf alle betrachteten Symptome und Erkrankungen lag die Häufigkeit neu dokumentierter Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen mit COVID-19 um ca. 30% höher als bei Kindern ohne COVID-19-Diagnose. Dies ergab der Vergleich von Diagnoseraten bezogen auf 1.000 Personenjahre, deren Berechnung die unterschiedlichen Nachbeobachtungszeiten der in die Studie eingeschlossenen Personen berücksichtigt. Die Diagnoserate betrug bei Kindern mit COVID-19 ca. 437 und bei Kindern ohne COVID-19-Diagnose ca. 336. Bei Erwachsenen mit COVID-19-Diagnose lag die Diagnoserate mit rund 616 um ca. 33% höher als die Diagnoserate von 464 der Kontrollgruppe ohne COVID-19. Insgesamt waren Kinder und Jugendliche seltener betroffen als Erwachsene.

Die Studie ist Teil des Projektes “Post-COVID-19 Monitoring in Routine Health Insurance Data” (POINTED). In früheren Analysen wurden bereits Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe auf Basis von Krankenkassendaten untersucht (siehe Veröffentlichung im EpidBull 19/2021 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/19/Art_02.html).

06.01.2022 DGA | Quelle: Barmer

Rufen, Prüfen, Drücken, Schocken

Lebensrettende Informationen zum richtigen Verhalten bei Herzinfarkt sowie eine Anleitung zur Herzdruckmassage bei plötzlichem Herzstillstand und einen Herzinfarkt-Risikotest zur Ermittlung des persönlichen Risikoprofils gibt die Deutsche Herzstiftung in einer neuen App, die kostenlos über www.herzstiftung.de/app heruntergeladen werden kann. Die App informiert mit grafischen Abbildungen Laien über die häufigsten Herzinfarkt-Alarmzeichen und hilft, die infarkttypischen Symptome schnell und richtig zu deuten. Auch stellt die App die Herzdruckmassage dar und gibt dazu konkrete Handlungsanweisungen. Das Besondere an der Anwendung ist, dass sie den direkten Notruf 112 ermöglicht und so keine lebensrettende Zeit verloren geht. „Die App informiert über das richtige Verhalten bei Verdacht auf Herzinfarkt sowie beim Vorliegen eines plötzlichen Herzstillstands. Sofortiges Handeln ist in beiden Fällen überlebenswichtig“, betont Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
Für Laien einfach zu handhaben

Die App gliedert sich in die Herznotfall-Situationen „Brustschmerzen“ und „Bewusstlosigkeit“. In beiden Notfallsituationen wird mit Abbildungen und wenigen Fragen geklärt, ob Schmerzen im Brustkorb auf einen Herzinfarkt hindeuten oder ob eine akute Bewusstlosigkeit, hervorgerufen durch einen Herzstillstand, vorliegt. Ist letzteres der Fall, erhalten Helferinnen und Helfer die Anleitung zur Durchführung der Herzdruckmassage Schritt für Schritt sowie zur Anwendung des automatisierten externen Defibrillators (AED). „Die kurze und konkrete Anleitung zur Herzdruckmassage soll helfen, die lebenswichtige Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft“, betont Herzexperte Voigtländer, Ärztlicher Direktor am Agaplesion Bethanien-Krankenhaus und Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main. Allerdings ist die App nicht als Ersatz einer Ausbildung in der Herz-Lungen-Wiederbelebung gedacht.
Hemmschwelle beim Herznotfall senken

Der plötzliche Herzstillstand gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jedes Jahr erleiden hierzulande ca. 65 000 Menschen einen sog. Plötzlichen Herztod. Ist der Betroffene bewusstlos, reagiert er nicht auf lautes Zurufen oder andere Reize (Zwicken) und atmet nicht normal, muss man von einem plötzlichen Herzstillstand ausgehen. Wenn ein solcher Herznotfall eintritt, ist das für zufällig Anwesende oder Angehörige eine belastende Situation. Aus Angst etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht und nur abgewartet, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Die App soll dazu beitragen, diese Hemmschwelle zu überwinden und im Notfall schnell und gezielt zu handeln, um Leben zu retten“, sagt Prof. Voigtländer.
Herzinfarkt: Wie gefährdet sind Sie?

In der App ist zudem ein Herzinfarkt-Risikotest enthalten. Der Test erfasst die Risikofaktoren Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Stress und ungesunde Ernährung, die sich schädigend auf die Herzkrankgefäße auswirken und zu den Risikokrankheiten Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin) führen. „Gesunde und Patienten, bei denen noch keine koronare Herzkrankheit diagnostiziert wurde, bekommen eine Einschätzung ihres persönlichen Herzinfarkt-Risikos und den Hinweis, ob eine ärztliche Untersuchung notwendig ist.
Die meisten Risikofaktoren sind beeinflussbar

Das persönliche Risikoprofil wird anhand von zu beantwortenden Fragen und der erreichten Punktzahl ermittelt. Am Ende steht das Ergebnis mit einer Einordnung des Risikos und entsprechenden Ratschlägen. Ein schlechtes Testergebnis bedeutet nicht, dass man dem Herzinfarkt hilflos ausgeliefert ist, sondern es dient als Aufforderung, etwas für die Gesundheit zu tun. „Am besten sollte man einen Internisten oder Kardiologen aufsuchen, um gemeinsam eine Strategie gegen den Herzinfarkt zu entwickeln“, rät Prof. Voigtländer. Denn bis auf erbliche Belastung, Alter und Geschlecht sind alle Risikofaktoren beeinflussbar.

Die Herzstiftungs-App steht ab sofort kostenlos zum Download mit Anleitungen zur Installation bereit unter: www.herzstiftung.de/app

04.01.2022 DGA | Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.



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